Der Winter 2025-2026 stellt in Deutschland einen deutlichen Rückschritt gegenüber der ausgesprochen günstigen Saison des Vorjahres dar. Während der Winter 2024-2025 weiten Teilen des Landes Niederschlagssummen zwischen 400 und 700 mm beschert hatte, lagen die Werte in dieser Saison in einem Bereich, die in vielen Regionen — vor allem im Osten und Nordosten — kaum ausreichte, um eine angemessene Grundwasserneubildung zu gewährleisten. Die Analyse der Meteo Vision-Karten von Weenat in Verbindung mit den Bodenfeuchte-Karten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 5. April 2026 erlaubt eine differenzierte Einschätzung der hydrologischen Lage am Ende des Winters.
Ein Winter mit deutlichem Niederschlagsdefizit — vor allem im Osten

Die Niederschlagskarte von Weenat weist auf eine besorgniserregende Entwicklung hin. Während in der Saison 2024-2025 nahezu ganz Deutschland von ergiebigen Winterniederschlägen profitieren konnte, zeigt sich diesmal ein ausgeprägtes West-Ost-Gefälle.
In Nordwestdeutschland — Schleswig-Holstein, die Küstenregionen, Teile Nordrhein-Westfalens mit dem Bergischen Land und dem Sauerland — sowie die Alpenregion Südbayerns verzeichnen noch vergleichsweise akzeptable Werte zwischen 300 und über 500 mm. Diese Regionen profitieren entweder von atlantisch geprägten Tiefdrucksystemen oder von orografischen Hebungseffekten in den Mittelgebirgen und den Alpen.
In Richtung Osten und Nordosten verschärft sich die Situation jedoch deutlich. Brandenburg, Sachsen, Sachsen-Anhalt und weite Teile Mecklenburg-Vorpommerns erscheinen auf der Karte nahezu weiß – ein klares Indiz für Niederschlagssummen, die vielerorts unter 200 mm liegen. Diese Regionen, die bereits in den vergangenen Jahren wiederholt von Sommertrockenheit betroffen waren, verzeichnen damit erneut ein hydrologisch schwaches Winterhalbjahr.
Reduzierte Verdunstung – jedoch nicht in ausreichendem Maß

Ein Blick auf die ETP-Karte könnte zunächst beruhigend wirken: Die Verdunstungswerte im deutschen Winter sind grundsätzlich niedrig, und die Karte bestätigt das. Im Osten und Nordosten — gerade dort, wo die Niederschläge am knappsten ausfielen — werden die niedrigsten ETP-Werte des Landes verzeichnet, häufig unter 120 mm im gesamten Halbjahr.
Im Westen und Südwesten sind die Werte erwartungsgemäß etwas höher: Der Rheingraben und Teile Nordrhein-Westfalens erreichen 160 bis 200 mm, vereinzelt sogar darüber. Die Karte zeigt hier ein gelbliches Maximum, das auf thermisch begünstigte Lagen im Rheintal hinweist.
Diese räumlich differenzierte ETP-Verteilung mildert das Defizitbild im Osten leicht ab — niedrige Verdunstung bedeutet, dass mehr von dem wenigen Regen im Boden verbleibt. Wie die Wasserbilanz jedoch zeigt, ist dieser kompensierende Effekt bei Weitem nicht ausreichend.
Eine flächendeckende Negativbilanz: Deutschland im Wasserstress

Die klimatische Wasserbilanz, Rain-PET-Karte, liefert das deutlichste und zugleich besorgniserregendste Bild dieses Winters: Über nahezu ganz Deutschland erstrecken sich ausgeprägte negative Bilanzen. Während sich in Frankreich und Spanien die Defizitgebiete räumlich klar eingrenzen lassen, erfasst das Defizit in Deutschland weite Teile des Bundesgebiets.
Das Zentrum des Defizits liegt im Osten: Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg weisen flächendeckend negative Bilanzen auf, in den am stärksten betroffenen Regionen unter −150 mm. In diesen Gebieten übersteigt die potenzielle Evapotranspiration die Niederschläge deutlich – eine Konstellation, die selbst im Winterhalbjahr, der zentralen Phase der Grundwasserneubildung, keine nennenswerte Regeneration zulässt.
Im Westen und Nordwesten stellt sich die Situation etwas günstiger dar: Im Schwarzwald, im Alpenvorland und an der Nordseeküste treten lokal positive Bilanzen auf. Diese Regionen dürften zu den wenigen in Deutschland zählen, in denen sich die Grundwasserspeicher im vergangenen Halbjahr spürbar erholen konnten. Für den überwiegenden Teil des Landes war dieses Winterhalbjahr hydrologisch betrachtet jedoch defizitär.
Was die DWD-Karten zeigen — und was sie verbergen



Die drei Die drei Bodenfeuchte-Karten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 5. April 2026 könnten auf den ersten Blick eine Entspannung der Lage suggerieren: Das pflanzenverfügbare Wasser in den oberen 60 cm des Bodens zeigt unter Grünland, Winterweizen und Mais ein weitgehend blaues bis grünes Bild — Werte häufig zwischen 75 und 200 mm, was als saisonal zufriedenstellend gilt.
Dieser scheinbare Widerspruch zu den Bilanzkarten von Weenat lässt sich durch die unterschiedliche Betrachtungstiefe und den zugrunde liegenden Zeitraum erklären. Die flachen Bodenschichten, die der DWD misst, reagieren schnell auf kurzfristige Niederschlagsereignisse — auch geringe Mengen im März können die oberste Schicht ausreichend sättigen. Was die Karten jedoch nicht abbilden, ist die Situation in der Tiefe: die für die Grundwasserneubildung entscheidenden Horizonte jenseits der 60 cm, die eine ausgedehnte und kontinuierliche Winterneubildung benötigen, um sich zu erholen.
Ein weiterer kritischer Aspekt betrifft die phänologische Entwicklung der Kulturen: Der Mais ist noch nicht aufgelaufen, und der Winterweizen steht erst am Beginn des Schossens. Die jetzt gemessenen Bodenfeuchtevorräte werden in den nächsten Wochen mit zunehmender Transpiration der Kulturen und steigender Verdunstung rasch abgebaut. Im Osten Deutschlands, wo der Ausgangswert bereits auf dem unteren Rand des zufriedenstellenden Bereichs liegt, kann dieser Übergang in den Wasserstress früh und abrupt eintreten.
Bewässerungssteuerung als strategische Antwort auf ein schwieriges Halbjahr
Die Wasserbilanz dieses Winters legt nahe, dass die Vegetationsperiode 2026 in Deutschland — insbesondere im Osten — unter erhöhtem Trockenstress-Risiko beginnt. Die günstigen Signale der DWD-Oberbodenkarten dürfen nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Grundwasserneubildung in diesem Winter strukturell unzureichend war.
In diesem Kontext gewinnt die präzise Bewässerungssteuerung besondere Bedeutung. Wer den Wasservorrat im Boden kontinuierlich überwacht — mit Tensiometern oder Kapazitiven Sonden — kann früh erkennen, wann und wo der Schwellenwert für eine Bewässerungsgabe erreicht ist, ohne zu über- oder unterbewässern. Gerade in Jahren mit schwacher winterlicher Auffüllung kann diese Entscheidungsgrundlage den Unterschied zwischen einer ertragreichen und einer defizitären Ernte ausmachen.
Niederschlags-, ETP- und Bilanz-Daten: Meteo Vision, die von Weenat entwickelte Wetterlösung. Bodenfeuchte-Daten: Deutscher Wetterdienst (DWD), 05.04.2026. Analysierter Zeitraum: 01.10.2025-31.03.2026.